Lippenherpes
Wie ein Boomerang kommen sie immer wieder und gerade dann, wenn man ohnehin schon krank ist oder Stress hat. Was natürlich kein Zufall ist, denn immer, wenn das Immunsystem geschwächt ist, nützt das Herpes-simplex-Virus den günstigen Moment für einen Ausbruch. Lesen Sie, wie man mit Natursubstanzen und bestimmten Nährstoff en aus dem Herpes-Teufelskreis austeigen kann und wer genetisch bedingt besonders davon betroffen ist.
Von Dr. phil. Doris Steiner-Ehrenberger
Bei Herpes simplex – dem Erreger von Lippenherpes (HSV-1) und von Genitalherpes (HSV-2) – gibt es derzeit rund 3,7 Milliarden Betroffene weltweit. 491 Millionen davon sind HSV-2 Betroffene, von denen jährlich rund 187 Millionen symptomatische Genitalherpes-Episoden erleben. Antivirale Medikamente wie Nukleosidanaloga hemmen zwar die HSV-Vermehrung, können das Virus jedoch nicht eliminieren.
ÜBERLEBT IN DEN NERVENKNOTEN
Einmal im Körper angelangt, nistet sich der Lippenherpes Erreger HSV-1 typischerweise im Trigeminusganglion ein, einem Nervenknoten im Gesichtsbereich und wandert immer wieder an die Hautoberfläche zu Lippen oder Mund. Dort taucht er wie aus dem Nichts mit einem Kribbeln oder Jucken auf und bildet Bläschen, die sich mit einer klaren Flüssigkeit füllen. Eine Trübung, gelblicher Eiter, starke Rötung und Schwellung der Umgebung sind klare Anzeichen dafür, dass zusätzlich Bakterien (wie Staphylokokken) mitspielen. Neben Krankheit oder Stress sind auch intensive UV-Strahlung, Fieber, hormonelle Schwankungen, Schlafmangel, Verletzungen oder trockene Lippen Ursachen für den Ausbruch einer Fieberblase. Genitalherpes (meist HSV-2) nistet sich ein den Nervenknoten am unteren Ende der Wirbelsäule ein. Bei einer Reaktivierung lösen sie Bläschen und Geschwüre im Genital- und Analbereich aus.
NOCH EIN EINFLUSSFAKTOR LAUT TCM
In der TCM wird „feuchte Hitze“ als entscheidend für ein virenfreundliches Milieu angesehen. Fu Ling ist der Pilz, der diese Feuchtigkeit am besten über die Harnwege ausleitet und die „Mitte“ (Milz/Magen) stärkt, denn eine schwache Milz ist der eigentliche Grund für übermäßige Feuchtigkeit. Ist das Milieu im Körper nicht mit pathogener Feuchtigkeit belastet, ist es für Viren weniger „attraktiv“.
WIE GESUND SIND WIR WIRKLICH?
An und für sich sollte ein gutes Immunsystem stets die richtigen Immunantworten liefern, um in Schach zu halten, was unseren Körper belasten könnte. Doch viele Krankheitserreger haben erstaunliche Überlebensstrategien entwickelt. Etwa, indem sie sich vor dem Immunsystem verstecken und/oder seine Aktivität bremsen und so das Immunsystem austricksen. Manche, wie eben die Herpes-Erreger, nisten sich sogar in unserem Erbgut ein.
VIELE REAKTIVIERUNGEN DURCH COVID-19
Während Corona haben besonders viele leidvoll erfahren müssen, dass hartnäckige Viren die vorübergehende Schwäche des Immunsystems ausnutzten. Die Reaktivierungen jeder dieser Viren können folgenreich fürs ganze Leben sein – egal, wie alt man ist. Schon Kinder und Jugendliche sind betroffen. Was ist also zu tun? Einerseits muss die Virenvermehrung gebremst werden, andererseits müssen die Mitochondrien gestärkt und die Immunantwort muss moduliert werden, damit wieder ein Gleichgewicht im Immunsystem hergestellt werden kann. Dazu muss auch noch die Nährstoffebene betrachtet werden. Sehr häufig sind gerade diejenigen besonders anfällig, die nicht nur ernährungsbedingt Nährstoffmängel haben, sondern auch jene, die unter HPU leiden- und es im Normalfall nicht wissen. Bei dieser Stoffwechselstörung scheidet man laufend Vitamin B6, Zink und Mangan aus und es gibt eine unendlich lange Liste an Folgeerkrankungen. Da gerade Zink bei der Herpes-Abwehr eine zentrale Rolle spielt, lohnt sich bei wiederholten Infekten eventuell ein Urintest auf HPU.
SO KANN MAN VORGEHEN:
1. IM AKUTFALL: VIRUSVERMEHRUNG STOPPEN
- Kolloidales Zinköl und kolloidales Silberöl
Lokal mehrmals täglich aufbringen, abwechselnd mit zehn Minuten Abstand je einen Tropfen auf die betroffene Stelle. - Aminosäure L-Lysin
Herpesviren benötigen die Aminosäure L-Arginin zur Vermehrung. Die Aminosäure L-Lysin in höherer Dosierung (4-6 Kapseln) ist der Gegenspieler von Arginin und kann helfen, die Infektion abzumildern. Gleichzeitig soll man auf Arginin-reiche Lebensmittel wie Schokolade verzichten. - Virenabwehrende Natursubstanzen
Die drei stärksten gegen den Herpes simplex Virus sind unserer Ansicht nach das Baikal Helmkraut, die Artemisia annua und das Oreganoöl. Alle drei wirken auch beim Epstein-Barr-Virus oder Herpes zoster sehr gut.
Baikal Helmkraut kann mit seinem Hauptwirkstoff Baicalin die Vermehrung von HSV-1 unterdrücken. Es wirkt direkt auf die Viruspartikel ein und inaktiviert sie, was den Eintritt in gesunde Zellen erschwert. Baicalin erwies sich auch als vielversprechend für die Therapie von HSV-1-Infektionen, insbesondere bei Stämmen, die gegen das Standardmedikament Acyclovir resistent sind.
Artemisia annua hemmt die Virusvermehrung bei HSV-1 sofort nach dem Eindringen des Virus in die Zelle. Artemisinin ähnliche Verbindungen stören die Herstellung der viralen DNA. Oreganoöl kann die Lipidhülle von Herpesviren zerstören, wodurch sie ihre Infektiosität verlieren. Seine Rosmarinsäure blockiert das Eindringen des Virus in die Zellen, hemmt die Anheftung des Virus an Zellen und reduziert die Virenaufnahme um 80-96 Prozent. Bei HSV-2 vermindert sie die Schädigung von Zellen.
2. LÄNGERFRISTIG: MITOCHONDRIEN STÄRKEN
Mitochondrien sind die Zellkraftwerke, entscheidend für die Energiebereitstellung (ATP) und die Immunantwort. Die Stärkung der Mitochondrien kann entscheiden dazu beitragen, die Häufigkeit von Ausbrüchen zu reduzieren, da eine gesunde Immunantwort stark von der Energieproduktion in den Zellen abhängt und Herpesviren ein geschwächtes Immunsystem zur Ausbreitung nutzen. Unserer Erfahrung nach sind folgende Natursubstanzen dabei besonders effektiv, da sie das „Langlebigkeitsenzym Sirtuin 1 aktivieren, das Mitochondrien regeneriert, stärkt und vermehrt neu bildet: Ankaflavin und Monascin aus rotem Reis, Baikal Helmkraut, Curcumin oder Brokkoliextrakt und ganz besonders die Artemisia annua mit ihrer Vielzahl an unterschiedlichen Polyphenolen in einer speziellen Züchtung (im Verein anfragen).
3. LÄNGERFRISTIG: GENE AKTIVIEREN FÜR MEHR INTERFERONBILDUNG
Man weiß heute, dass Träger eines mutierten Gens (Interleukin-28B-Gen, IL28B) besonders unter Herpes leiden. Anhand von Hepatitis C-Patienten, die dieselbe Genmutation tragen, erkannte man, dass die Immunabwehr nicht in der Lage ist, mit genügend schützenden Interferon auf Viren zu reagieren. Dadurch ist die Therapieaussicht bei Hepatitis C ebenfalls schlechter. Bei der Einnahme von Vitalpilzpulver mit besonders hohem Beta-Glucan-Gehalt (Vollspektrumpilzpulver) wie Agaricus blazei Murrill, Cordyceps, Hericium, Maitake, Pleurotus, Reishi oder Shiitake konnten wir sowohl Fieberblasen als auch bei Hepatitis C beeindruckende Therapieerfolge sehen. Das lässt vermuten, dass deren Polysaccharide womöglich einen positiven Einfluss auf das betroffene Gen haben könnten und wieder mehr Interferon gebildet wird. Dazu gibt es allerdings noch keine Studien. Die Pilze nimmt man allerdings nicht im akuten Stadium ein, sondern in der Ruhephase des Erregers, dann aber mindestens über drei bis sechs Monate. Bei geschwollenen Lymphdrüsen hat sich der Agaricus blazei Murrill am besten bewährt, bei Nervenschmerzen der Hericium. Die Interferonbildung wird auch durch den Astragalus besonders stark angeregt, eine Wurzel, die für ihre immunmodulierende Wirkung bekannt ist.
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