Immun- und Erkältungspilz

Er galt schon den chinesischen und japanischen Kaisern als Lebenselixier, wurde als Immun- und Erkältungspilz eingesetzt, fördert die Entgiftung, Herz und Gefäße und bietet auch darüber hinaus noch eine ganze Reihe breit gefächerter Wirkungen. Vor allem stärkt er unsere „Mitte“, die für den Qi- und Blutaufbau so wichtigen Organe Milz und Magen, deren Harmonie er auch wieder herstellen kann.
Von Dr. phil. Doris Steiner-Ehrenberger

Der Shiitake trägt einen japanischen Namen. „Shii“ ist der Pansaniabaum, auf dem der Pilz wild wächst, und „take“ heißt Pilz. Das ursprüngliche medizinische Wissen stammt aber aus China. Dort galt der Shiitake als so nobel und begehrenswert, dass er als Geschenk für einen Kaiser durchaus angemessen war, wie Überlieferungen berichten. Um ihr Leben zu verlängern, sollen chinesische Kaiser große Mengen Shiitake gegessen haben. Wohlschmeckend ist noch dazu, gilt er doch als „umami“ (geschmacksverbessernd), da seine Glutaminsäure ähnlich wie Glutamat die Geschmacksrezeptoren aktiviert. Getrocknete Shiitake enthalten bis zu 15-mal mehr geschmacksbildende Nukleotide als getrocknete Steinpilz.

WIRKT GEGEN ATHEROSKLEROSE
Man könnte jetzt sagen, Shiitake brauche ich nicht extra einzunehmen, den esse ich sowieso hin und wieder. Aber was würde er erst bei täglicher Anwendung bringen? Der Pilz hat viele gute Wirkungen, die regelmäßig gebraucht werden, insbesondere als Vorbeugung gegen Atherosklerose. Er wirkt leicht blutverdünnend und beugt langfristig Thrombosen vor. Zusammen mit dem Reishi bietet der Shiitake den größten Schutz vor Cholesterinablagerungen in den Gefäßen und damit vor Atherosklerose. Er senkt LDL-Cholesterin und da eine „reinere“ Blutsäule weniger Druck benötigt, um durch die Gefäße gepumpt zu werden, senkt er auch Bluthochdruck. Für die cholesterinsenkenden Effekte werden hauptsächlich Eritadenin und Cholin verantwortlich gemacht. Sie unterstützen die Weiterleitung von Blutfetten zur Leber, um sie vom „schlechten“ LDL-Cholesterin ins „gute“ HDL-Cholesterin umzuwandeln. Shiitake ist auch als Cholesterinsenker geeignet – und zwar jene, die mit Gesamt-Cholesterinüberschuss bei zu geringen HDL-Spiegeln zu kämpfen haben und zu einer Cholesterin-Verarbeitungsschwäche in der Leber neigen.

VERBESSERT DIE DURCHBLUTUNG
Bei eingeschlafenen oder kalten Händen und Füßen, aber auch bei verminderter Herzdurchblutung ist der Shiitake immer ergänzend günstig, da er die Durchblutung fördert, auch im Gehirn. Außerdem sind Shiitake-Pilze eine großartige Quelle für B-Vitamine, die die Nebennierenfunktion unterstützen du Nährstoffe in nutzbare Energie umwandeln. Sie helfen dabei, Nervenbotenstoffe auf natürliche Weise auszugleichen und die Gehirnfunktionen während des ganzen Tages zu unterstützen. Damit werden die kognitiven Leistungen verbessert, wie man an Älteren feststellen kann, die deutlich wacher und vitaler werden. Natürlich ist diese Fähigkeit des Shiitake nicht auf Ältere beschränkt. Anwendungstests mit Schulkindern zeigten ebenso positive Effekte beim Lernen und bei der Aufmerksamkeit.

EIN GUT UNTERSUCHTER IMMUNPILZ BEI KREBS
Der Shiitake enthält als Besonderheit Lentinan, ein speziell im Shiitake vorkommendes Betaglucan und einer der am besten untersuchten immunmodulierenden Pilz-Inhaltsstoffe. Lentinan wird vor allem in Japan in der Krebstherapie zusätzlich zu Chemo- oder Strahlentherapie eingesetzt und stärkt das Immunsystem durch Aktivierung von Makrophagen und T-Zellen (Immuntherapie). In verschiedenen Versuchen konnte eine Verbesserung der körpereigenen Tumorabwehr und eine deutliche Verminderung der Tumorbildung nachgewiesen werden, sodass man beim Shiitake auch von einem effektiven Naturmittel zur Krebsprävention sprechen kann. Lentinan reduziert die Nebenwirkungen der Chemotherapie und verringert die Metastasenbildung. Außerdem wirkt es der Abmagerung (Kachexie) bei Krebserkrankungen entgegen.

SENKT HOMOCYSTEIN
Sein Eritadenin, eine Verbindung, die hauptsächlich im Shiitake-Pilz vorkommt, kann dazu beitragen, einen hohen Homocysteinspiegel, der ein massiver Risikofaktor für Atherosklerose ist, zu senken oder dessen Anstieg zu verhindern. Eritadenin wirkt vermutlich, indem es die Homocysteinproduktion verlangsamt und gleichzeitig die Bildung von Cystathionin (ein Abbauprodukt von Homocystein) fördert.

LÖST LYMPHSTAUS
Lymphstaus können auch noch bei einer Menge weiterer Störungen eine Rolle spielen, etwa bei allergischen und/oder entzündlichen Hauterscheinungen (Ekzemen, Neurodermitis, Akne, Rosacea), Heuschnupfen, Entzündungen generell, geschwollenen Beinen und Gelenkschwellungen. Beim Lipödem oder bei Staus durch Entfernung eines Lymphknotens ist die Befreiung der Lymphbahnen von diversen Giften und Abfallstoffen besonders wichtig. Bei der Entfernung eines Tumors werden benachbarte Lymphbahnen meist mitentfernt. Infolgedessen kommt es häufig zu Lymphstaus, die etwa in der Lunge und im Gehirn gefährlich sein können. Gegen solche Lymphödeme hilft der Polyporus sehr gut. Auch bei Medikamentenrückständen, etwa von Antibiotika, sowie zur Entgiftung nach abgeschlossener Chemotherapie kann der Pilz sinnvoll sein.

Der Shiitake ist ein „Schnupfenpilz“ und Virenkiller. Er zählt zu den “biological response modifi ers”, den besten Immunmodulatoren.

WICHTIGSTER „SCHNUPFENPILZ“
Lentinan verbessert außerdem die Ausschüttung und Wirkkraft von Immunzellen gegenüber Bakterien, Viren, Pilzen und Parasiten. Deshalb erhöht der Shiitake die Abwehrkraft gegenüber Erkältungskrankheiten, vor allem gegen das Grippevirus Typ A. Dies geschieht durch die Bildung von mehr Interferon in den Zellen. Bei Schnupfen gilt der Shiitake überhaupt als wichtigster Pilz, da er zusätzlich Schleim trocknet. Durch die tägliche Einnahme wird außerdem die Widerstandskraft gegenüber Virusinfektionen so stark erhöht, dass eine Ansteckung weniger wahrscheinlich wird. 

BEKÄMPFT HERPES-VIREN, HPV- UND HIV
Selbst der Ausbruch einer Infektion mit dem Herpes simplex Virus kann durchaus abgewehrt werden, was am erhöhten Interferon liegt, wie bei Hepatitis-C- Masern und Windpocken können schneller ausbrechen und dadurch auch schneller wieder abheilen und sogar bei HIV-Patienten kann eine Reduktion der Viren-Anzahl herbeigeführt werden. Durch seinen Wirkstoffkomplex AHCC (Active Hexose Correlated Compound), überwindet man mit dem Shiitake HPV (humane Papilomviren) leichter. Er stärkt das Immunsystem stärker und bekämpft HPV-Infektionen, indem die Regeneration natürlicher Killerzellen gefördert wird. Wichtig ist zu bemerken, dass die Immunaktivierung in einer balancierenden Weise erfolgt, sodass keine überschießenden Immunreaktionen provoziert werden. Daher kann der Shiitake auch bei Autoimmunerkrankungen angewendet werden.

EIN NATÜRLICHES ANTIBIOTIKUM
Lebensmittelvergiftungen sind vor allem auf Reisen eine Plage. Die antibakteriellen Wirkungen des Shiitake gegen in Lebensmitteln vorkommende toxinbildende Bakterien wie Salmonellen oder Listerien sind ebenfalls legendär und sogar der gefährliche und äußerst widerstandfähige Eitererreger Staphylococcus aureus (MRSA-Keim) lässt sich vom Shiitake zurückdrängen. Der Shiitake bekämpft auch speziell die Keimzahl von Mikroben im Mundraum, die Karies oder Gingivitis (eine Entzündung des Zahnfleisches infolge eines mikrobiellen Biofilms am Zahnfleischrand) auslösen. Bei Nebenhöhlen- oder Mandelentzündung bekämpft er die auslösenden Bakterien. Hinter der antibiotischen Wirkung steht neben der immunstärkenden Wirkung durch Polysaccharide auch noch die Oxalsäure, die sich den Erregern als weiteres wirksames Hemmnis entgegenstellt.

QI-SPENDER FÜR MILZ UND MAGEN
Nun zu Wirkungen, die die TCM besonders am Shiitake schätzt. Der Pilz gilt als exzellenter Lieferant von Qi (Lebensenergie) für Milz und Magen und stärkt damit deren Funktion, Nahrung gut zu verarbeiten und die Produktion von Qi (und Blut) zu fördern. Er gehört zu den großen Magenhelfern bei Gastritis und Magengeschwüren und reguliert Verdauungsprozesse und Qi-Gewinnung. Außerdem hilft er, die überschüssige pathogene Feuchtigkeit zu beseitigen, die eine Folge einer schlechten Verdauung ist. Das ist für all jene wichtig, die einen Milz-Qi-Mangel und dadurch wenig Energie sowie eine schlechte Verdauung haben. Schlechte Ernährungsweise und auspowernder Lebensstil machen sich spätestens ab der Lebensmitte oder auch schon früher bemerkbar – mit Verdauungsproblemen, Blähbauch, Müdigkeit, Kraftlosigkeit, Infektanfälligkeit, Bindegewebeschwäche, Organsenkungen, ständigem Grübeln, Gier nach Süßem und Kaffee. Dazu kommt noch die pathogene Feuchtigkeit, die bei einer schwachen Milz entsteht, wenn die Milz die Nahrung nicht richtig verarbeiten kann wie etwa Ödeme, Cellulite, Gelenkschmerzen, Völlegefühl, Blähbauch, Fettunverträglichkeit, klebriger Stuhl, Allergieneigung oder Konzentrationsstörungen.

MEHR YIN IM ALTER
Der Shiitake kann aber noch etwas, was im Alter und überhaupt grundlegend wichtig ist: Yin-Aufbau. Yin-Mangel bedeutet Verlust von Körpersäften und Körpersubtanz und tritt etwa infolge langanhaltender Leber-Qi-Stagnation durch Stress, Ärger, unterdrücktem Zorn, Frustration und sich „Zusammenreißen“ auf. Ab der Lebensmitte (Wechseljahre) produziert der Körper überhaupt immer weniger Yin. Die Folgen: Trockene Haut, trockene Augen, Sehschwäche, Schlafstörungen (besonders 1-3 Uhr nachts), Nachtschweiß, trockener Mund/Hals, Hitzewallungen, Reizbarkeit, Kopfschmerz, brüchige Nägel und trockene Haut, auch Tinnitus, Muskelverspannungen, Krämpfe, trockener Stuhl, trockene Lippen, trockene Schleimhäute, Nervenschwäche, Ängste, Haarausfall, Zahnprobleme oder Osteoporose. Ein Mangel ist unausweichlich, wenn man nicht früh sein Verhalten anpasst. Das gilt es zu ändern: Stress, zu wenig Entspannungspausen, Schlafmangel, stress- oder diätbedingt zu wenig essen, zu Austrocknendes, Scharfes essen und Bitteres trinken (Kaffee) – denn das raubt dem Körper Yin (und Blut).

STÄRKT DAS MIKROBIOM
Der Darm ist ein wesentliches Immunorgan des Menschen und eine Störung des Mikrobioms kann zu schweren Ungleichgewichten führen bzw. Krankheitsverläufe verschlimmern. Der Shiitake entwickelt enorme Fähigkeiten beim Wiederaufbau der essentiellen Mikroorganismen im Darm bzw. beim Unterstützen ihrer wichtigen Aufgaben. Studien dokumentieren, dass die Wirkstoffe des Shiitake das Wachstum von probiotischen Bifidobakterien und Laktobakterien erhöhen und gegen Verstopfung wirken.

WEITERE WIRKUNGEN

  • Schützt die Leber
    Leberschädigende Substanzen – auch freie Radikale – werden unschädlich gemacht, einer Fettleber wird entgegengewirkt und eine krankhafte Vermehrung des Bindegewebes in der Leber gebremst. Außerdem werden entzündliche Prozesse in der Bauchspeicheldrüse beruhigt und Verdauungsbeschwerden wird vorgebeugt.
  • Senkt Harnsäure
    Der Shiitake lindert Gichtschübe und beugt sie vor, indem er den Harnsäurespiegel senkt, außerdem stärkt er die Milz, die in der TCM für die „Trennung von Trübem und Klarem“ zuständig und damit grundlegend für die „Reinheit“ des Körpers ist.
  • Lindert Arthritis und Migräne
    Seine entzündungshemmende Wirkung macht den Shiitake bei entsprechender Dosierung zu einem guten Schmerz- und Entzündungsmittel etwa bei Arthritis, Rheuma und Migräne – vor allem zusammen mit dem Reishi.
  • Anti-Aging
    Der Shiitake galt auch immer als Anti-Aging-Pilz, weist er doch sehr hohe Mengen an Ergothionein auf, ein starkes Antioxidans, das Zellen vor oxidativem Stress schützt und damit Alterungsprozesse bremst.
  • Höchster Kupfergehalt
    Kupfer ist wichtig für den Schutz der Blutgefäße, Nerven und des Immunsystems. Shiitake hat mehr davon als andere Pilze. Kupfermangel entsteht häufig durch langfristige Einnahme von Zink.
  • Unterstützt bei Diabetes
    Bei Diabetes werden hauptsächlich der Coprinus und der Maitake Pilz gegeben, doch auch der Shiitake steigert die Insulinproduktion und wirkt Übergewicht entgegen.
  • Bekämpft Übergewicht
    Eritadenin und Beta-Glucane wirken prinzipiell positiv auf das Gewicht. Beta-Glucane erhöhen den Sättigungswert und bremsen Heißhunger.
  • Knochenerhaltend
    Wie der Maitake regt auch der Shiitake die Osteoblasten an und die Vorstufe von Vitamin D ist hilfreich für den Knochenerhalt.
  • Günstig bei Akne
    Reich an Selen und Zink, die bei Akne, Entzündungen, Hautheilung und Immunfunktion eine Rolle spielen.
  • Entgiftet Nitrit in Wasser und Nahrung
    Kann als „Nitritfänger“ die schädlichen Wirkungen von Nitrit in Wasser, Gemüse und Salaten, vor allem aber in Wurst und Fleisch (Nitritpökelsalz), neutralisieren.

ZU BEACHTEN
In seltenen Fällen kann es zu allergischen Hautreaktionen kommen. Nicht geeignet in der Schwangerschaft, Stillzeit und bei Einnahme von Blutverdünnern. 14 Tage vor einer Operation absetzen.
Dosierung: 2×1 bis 2×2 Kapseln

TCM
Wie erklärt die TCM die Wirkungen des Shiitake?
Eine Beschreibung finden Sie unter Natursubstanzen/Infoblätter/Shiitake

ANWENDUNG IN DER TIERMEDIZIN
Der Shiitake wird zur allgemeinen Stärkung und Förderung der Vitalität eingesetzt, zur Entwurmung, bei Zahnkaries und Zahnstein, zum Aufbau der Darmflora. Er unterstützt das Immunsystem bei bakteriellen und viralen Infekten wie FeLV- und FIV-positiven Katzen, Krebs v. a. Magen, Darm, Leber, Blase, Brust und Prostata, Lymphome, Sarkome, begleitend bei Leukämie, Allergien, Monozyten bei Pferden, Übergewicht, Erkrankungen des Bewegungsapparates wie Arthritis (Rheuma) und Arthrose, Cauda- Equina-Syndrom, Hüft- und Ellenbogendysplasie, Hufrehe, Osteoporose, Spondylose, Stenosen, geschwächtem Bindegewebe (Durchtrittigkeit, Hängerücken), Arteriosklerose, Stenosen, Fettstoffwechselstörungen, Leukozytopenie, Leukosen, Leber-, Blasen- und Harnröhrenerkrankungen, Hufrehe, Magengeschwüren, Augenerkrankungen, altersbedingten Erkrankungen, Fettleibigkeit, Bauchspeicheldrüse, Diabetes Typ II, metabolischem Syndrom, Albumin-Globulin-Verhältnis, Alkalischer Phosphatase und AST bei jungen Rennpferden.

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